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10.07.2004

Robert legt ein Ei


Das "theater am carlo" debütiert am Dienstag mit einer Collage


TÜBINGEN (gor). Mit einer Collage aus Szenen von Ken Campbell, Elke Heidenreich, Franz Hohler und Heiner Müller stellt sich am Dienstag die neue Theatergruppe am Carlo-Schmid-Gymnasium vor. Unter Anleitung von Birgit Wahl-Bucka zeigen neun Schülerinnen und ein Schüler eine Welt, in der Figuren aufeinander treffen, die unfähig sind, miteinander in Beziehung zu treten.

Drei Schauspieler der neuen Theater-AG am CSG (von links): Dorit Werning, Esther Lang, Matthias Bochert. Bild: Metz
 
Das Irrenhaus als Abbild der Welt ist keine neue Idee. Trotzdem gelingt es dem "theater am carlo", die Minidramen, die sich hier abspielen, überraschend zu arrangieren. Die einzelnen Figuren, die von den Schüler/innen dargestellt werden, haben Tiefgang und bleiben in den verschiedenen Szenen schlüssig. Ein Ergebnis der Arbeit von Birgit Wahl-Bucka, die nach der Gründung der Theatergruppe zu Schuljahresbeginn ein halbes Jahr auf Stimm- und Körperarbeit verwendet hat. In dieser Zeit entwickelten die Mitglieder der Theatergruppe auch allmählich die Charaktere, noch nicht auf ein bestimmtes Stück ausgerichtet. Erst in der zweiten Phase wählten sie dann gemeinsam die Szenen aus, die sie unter dem Titel "Geht´s noch?" zu einem Stück kombiniert haben.

Die Klammer, von der die Collage zusammen gehalten wird, ist das Thema Kommunikation. Wenn Menschen aufeinander treffen, die nur auf sich selbst bezogen sind, läuft jede Begegnung Gefahr, sich in einen Unfall zu verwandeln. Die Folgen können komisch, aber auch bitter sein. So beispielsweise, wenn eine Frau von einer Selbstmörderin materielle Gegenleistungen dafür verlangt, dass diese sich von ihrem Platz aus in die Tiefe stürzen darf. "Ihre letzte Tat auf Erden soll so unbarmherzig ausfallen", wirft die Platz-Inhaberin der Verzweifelten vor, als diese ihre Hose nicht abgeben möchte.

Spione treten auf, die sich selbst aus Langeweile erfinden ohne zu wissen, wer ihr Feind ist. Und Robert, der plötzlich zum Huhn mutiert und ein Ei legt. "Durchdrehen, überschnappen, ist das alles, was du kannst", schreit seine Mutter und ein Verehrer bekommt auf seine Frage, ob er der Angebeteten sein Herz zu Füßen legen dürfe, zur Antwort: "Wenn Sie den Boden nicht schmutzig machen."

Auch quälende Szenen der Stille und der unablässigen, beinahe autistischen Wiederholung halten die Akteure bravourös durch, trotz der anfänglichen Nervosität, weil sie erstmals vor ihren Klassenkameraden als Publikum spielen. Im anschließenden Werkstattgespräch zollen diese Anerkennung. "Wie kann man in manchen Szenen auf der Bühne ernst bleiben?", will eine Schülerin wissen. Und ob das Irrenhaus-Theater auch den Schulalltag widerspiegeln solle. Einer hat auch einen Vorschlag für das nächste Stück: "So eine richtige Satire über Lehrer und Schüler wäre nicht schlecht." Spontaner Zwischenruf eines Lehrers: "Das nennt man doch dann Unterricht!"

INFOInfo: Die einzige öffentliche Aufführung von "Geht´s noch?" ist am Dienstag, 13. Juli, um 20 Uhr im Raum 1.34/1.35 des Carlo-Schmid-Gymnasiums. Der Eintritt ist frei, Spenden erwünscht.


Text: tagblatt online
Online-Redaktion: tagblatt online
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